Wie stehen Sie zu dem, was Sie sagen?
Was ich will, sind nicht bewegliche Körper, sondern bewegliche Gehirne. Ich will, dass jeder Mensch seine menschliche Würde wiederherstellen kann.
Moshé Feldenkrais
Haltung und Körperstruktur spiegeln das mentale Leben, also Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle. Sie offenbaren unsere Einstellungen, Überzeugungen und Gewohnheiten.
Info
Unser Körper ist nicht das Gefängnis unseres Geistes sondern das Material aus dem er besteht. Seine Signale können von uns und anderen wahrgenommen werden - sie sind wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikation. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass uns dieser Bereich weitgehend unbewusst bleibt. Im Kommunikationstraining spielt die Arbeit an der Gestik und anderen Bereichen nonverbaler Kommunikation eine große Rolle. Über Gesten und Auftreten kann man am besten abgestellt auf den Einzelfall sprechen. Das ist immer Arbeit mit dem einzelnen Seminarteilnehmer.
Die Übungen, die hier vorgestellt werden, sollen für den eigenen Körper und die alltägliche Haltung sensibilisieren. Es geht also nicht um Training mit Hantel und Gewichten. Dem "athletischen" Schönheitsideal, das von den Titelblättern der Wochenzeitschriften und aus Film und Fernsehwerbung hinlänglich bekannt ist, steht ein Ideal anmutiger Schönheit und Natürlichkeit gegenüber, die mit der "Figur" des Betreffenden eigentlich nichts zu tun hat.
Vielleicht kennen Sie die Körperhaltung der Tuareg oder anderer Naturvölker bei der Arbeit, beim Korbtragen oder beim Sitzen auf dem blanken Boden. Was sich diese Menschen erhalten haben, ist die größtmögliche Ökonomie der Bewegung und eine schonende Körperhaltung. Dass unsere Lebenswelt dieser ursprünglicher Natürlichkeit entwachsen ist, schließt ja nicht aus, dass wir für unseren Körper darauf zurückgreifen sollten, was schon immer richtig war und was unserem Körper entspricht. Auf den positiven Einfluss unseres souveränen Auftretens lässt sich unschwer schließen.
Ziel der folgenden Übungen ist, den eigenen Körper (wieder) wahrnehmen zu lernen, wie er ist, und zu erkennen, welche Botschaften er uns und unserer Umwelt mitteilt. Schließlich haben wir ein Recht zu erfahren, was er über uns aussagt.
1. Fremd-Wahrnehmung: Die Suche nach den Botschaften
Achten Sie, wenn Sie das nächste mal aus dem Haus gehen, verstärkt auf die Körperhaltung der Menschen, die Ihnen begegnen. Versuchen Sie, besonders auffällig Haltungen nachzuempfinden und sichtbar zu machen.
Zu Hause können Sie die Haltungen dann imitieren. Wie fühlt sich diese Haltung an? Aktiviert oder Deaktivert sie, ist sie locker oder angespannt, was will er/sie sagen, ...
Nur wer Verschiedene ausprobiert, mit ihnen spielt, findet zu den feinen Nuancen der Körpersprache.
2. Experimentieren mit der eigenen Haltung: Sieg und Niederlage
Richten Sie sich zu voller Größe auf... und darüber hinaus. Ein Gefühl der Erhabenheit macht sich breit. Sie treten der Welt als ein Gewinner gegenüber. Ein Gefühl, als hätten Sie eben einen großen Coup gelandet.
Dann machen Sie sich bewusst ein Stück kleiner. Es fällt leicht, sich geknickt zu fühlen, wenn man so dastehst. Es fällt sehr schwer, sich so stark zu fühlen!
Wechseln Sie zwischen beiden Haltungen hin und her. Nach ein paar mal schon werden Sie wahrnehmen, wie der eigene Körper unwillkürlich zu einer der beiden Haltungen tendiert, wie die Haltung auch im Laufe eines Tages zwischen diesen Polen wechselt.
Dann besteht die Chance, sich zu hinterfragen, was zu dem Wandel geführt hat und wie er sich vollzogen hat. Es geht nicht darum immer für die Siegerpose zu sorgen, sondern vornehmlich um die Wahrnehmung unserer Haltungen und das Entschlüsseln der Botschaften. Nur wer weiß, "wie er dasteht", kann angemessen agieren.
3. An der eigenen Haltung arbeiten: Der Akrobat
Die beiden folgenden Übungen geben Ihnen ein Bild an die Hand. Wenn es Ihnen gelingt, sie nachzuempfinden, dann stellen sich automatisch die gewünschten körperlichen Phänomene - Entspanntheit und Körperbewusstheit - ein. Die vielen Muskelgruppen, die andernfalls im einzelnen zu steuern wären, sind unserer bewussten Bedienung weitgehend entzogen. Lassen Sie sich darum auf die Bilder ein.
Der Akrobat
Schwerkraft ist die Wurzel aller Anmut
Laotse (ca. 7 Jh. v. Chr.)
Stellen Sie sich vor, Sie balancieren mühelos auf einem Stab. Er reicht vom Mittelpunkt der Erde bis unter Ihre Füße. Bei dieser Übung kann man spüren, wie sich der Körper mühelos aufrichtet. Das Bewusstsein konzentriert sich bei dieser Übung auf die Wirkung der Schwerkraft.
Wer an Rückenschmerzen, Niedergedrücktheit, ständiger Müdigkeit leidet, der spürt die Wirkung der Schwerkraft besonders stark. Wir balancieren unseren Körper entgegen der Schwerkraft, die Erdanziehung ist es, die uns aufrecht gehen lässt. Beim aufrechten Gang balanciert der Körper sich quasi selbst aus und kann mit minimalen Kraftaufwand gehalten werden. Jede "Schieflage" erfordert zusätzliche Muskel - Anspannung. Je länger, desto verkrampfter.
Die Wasserfontäne und der Ball
Stellen Sie sich vor,
Ihr Kopf ist ein Ball,
der auf einer Springbrunnen-Fontäne
balanciert.
Wenn es Ihnen gelingt, sich dieses Bild zu vergegenwärtigen und zu "spüren", dann experimentieren Sie doch in verschiedenen Situationen Ihres Alltages damit. Die zivilisierte Welt bietet genügend (lästige) Warteminuten, um so etwas auszuprobieren: Im Straßenverkehr (selbstredend!), beim Warten auf den Lift, beim Starten des Rechners, an der Kasse und bei vielen weiteren Gelegenheiten.
Diese einfache Übung bewirkt die Entspannung der Nackenmuskulatur, also einer jener Muskelpartien, die für Verspannungen besonders anfällig sind. Starke und häufige Verspannungen dort führen zu Kopfschmerzen und körperlichem Unbehagen. Wenn Sie zusätzlich darauf achten, dass die Schultern ganz entspannt bleiben (Wie?: Die Wasserfontäne sprudelt ganz von selbst; ab Schulterhöhe fällt das Wasser schwer zu Boden.), dann erreichen Sie mit dieser Übung auch die optimale Lockerung des Kehlkopfes und damit des Stimmapparates.
Ein ökonomischer und elastischer Stimmeinsatz ist mit dieser Lockerheit gewährleistet. Dies sind nur ein paar Übungen, die Ihnen einen Einblick in den Bereich der Körperarbeit geben können. Wenn Sie dazu beitragen, die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern, dann ist schon viel gewonnen. Manches ergibt sich dann von allein.
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