Zählen International
Wenn ein Deutscher auf seine gewohnte Art und Weise in Russland per Handzeichen zwei Bier bestellt, wird er sich wundern, denn er bekommt drei. In China ständen damit sogar 8 Gläser auf seinem Tisch.
Unsere Übersicht soll für Sie etwas Licht ins Dunkel bringen.
Sie glauben gar nicht, in welchen Variationen mit den Fingern bis 10 gezählt werden kann. In den meisten europäischen Ländern fangen wir für die 1 mit dem Daumen an. In der chinesischen und amerikanischen Zählweise wird dagegen mit dem kleinsten Finger begonnen. Die russische Variante unterscheidet sich in der Art des Lesens der Finger selbst. Hier werden alle "abgeknickten" Finger gezählt. Und in der chinesischen Variante kann man mit einer Hand fast bis 10 zählen.
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amerikanisch |
russisch |
chinesisch |
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Eine Zählweise aus dem Mittelalter wurde vom Benediktinermönch Beda Venerabilis (Kirchenlehrer, Heiliger, lebte bis 735 im Kloster Jarrow, Grafschaft Durrow) überliefert. Sie ermöglicht wie die chinesische Methode das Zählen bis 10 an einer Hand und hat viel Ähnlichkeit mit der dualen Zählweise der Computer:
"Sagst du eins, so mußt du an der linken Hand den Kleinfinger beugen und sein Endglied auf die Handfläche legen. Bei zwei mußt du den Ringfinger danebenlegen. Bei drei entsprechend den Mittelfinger. Bei vier mußt du den Kleinfinger wieder aufrichten. Bei fünf ebenso den Ringfinger. Bei sechs mußt du wohl den Mittelfinger strecken, aber dann den Ringfinger allein wieder auf die Handfläche beugen. Bei sieben strecke alle Finger und beuge nur den kleinen Finger über die Handwurzel. Bei acht lege den Ringfinger daneben. Bei neun lege den Mittelfinger daneben."
Die ersten Rechenhilfsmittel waren ohne Zweifel die Finger. Das Fingerrechnen erfreute sich auch in Rom großer Beliebtheit und wurde von hier in alle Welt verbreitet. Mit insgesamt 40 Fingerstellungen konnten die Zahlen bis 200.000 dargestellt werden, addiert und subtrahiert werden. Noch heute erinnert der Ausspruch: "Das kannst Du Dir doch an den Fingern abzählen." an dieses berühmte Verfahren. Und am Ende hat auch das Wort "Digital" damit zu tun, denn es stammt vom lateinischen Wort digitus (Finger) ab.
[Wir danken Frau Koepke und Herrn Safo vom Ostasiatischen Institut in Leipzig; Frau Hädicke von inlingua, Leipzig; Frau und Herrn Zeinel-Abedine und Frau Ute Harz für ihre freundliche Unterstützung, sowie Donna Cross, Autorin von "Päpstin Johanna".]
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